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Der Selbstmörder

Satirische Komödie nach Nicolai R. Erdmann


Hansjörg Betschart


3 D | 7 H
kl. Rollen

Herbert Huber findet keinen Schlaf. Da ist ein Bett. Da ist seine Frau. Da ist die Nacht. Aber da ist kein Job. Wie soll er es bloß anstellen, ohne Anstellung zu leben? Herbert ist kein Arbeitsloser, der aufgibt: Er hat Elan. Er hat einen Business Plan. Und er hat Ideen!

Hat man schon von einem berühmten Autofahrer gehört? Ja! Oder einem gutbezahlten Geiger? Ja. Aber von einem Weltstar, der Tuba bläst? Nein! Das ist dann die Marktlücke! Das ist dann die Geschäftsidee für die Ich-AG. Die Ausrüstung ist rasch bei der Nachbarschaft geliehen. Und schon geht es los mit dem Klein-Unternehmen „Huber bläst Tuba, AG“. Die Noten sind da. Das Unternehmen ist gegründet. Die Auftritte können gebucht werden! Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Wie spielt man auf einer Tuba? Wieder ist Herbert um den Schlaf gebracht. So eine Tuba will geübt sein. Und Talent erfordert sie auch. Als Herbert das klar wird, bricht er in Verzweiflung die Übungsstunde ab: Wovon soll der denn jetzt sein Leben bezahlen? Mit seinem Leben? Herbert ahnt nicht, was seine unbedachte Äußerung auslöst. Wer laut den Selbstmord erwähnt, dem drohen ungebetene Zuhörer: Manch ein Unzufriedener kriegt Wind von einem Selbstmord-Plan, manch einer findet daran Gefallen, und bald klopfen an Herbert Hubers Tür illustre Zeitgenossen, die gern etwas von dem Selbstmord hätten: Warum sich sinnlos umbringen? Warum nicht mit Grund? Es gibt so viele Gründe? All die EU-Verordnungen. Das Bankensterben. Die Jugendgewalt. Die Steuersenkung! (Oder Erhöhung?) Bald steht Herbert als Selbstmord-Unternehmer im Mittelpunkt gesellschaftlicher Interessen. Mit jedem Vorschuss, der für seinen Selbstmord anfällt, wird das Leben schöner. Mit einem Mal ist er als Selbstmörder in bester Gesellschaft und ein gesuchter Gast in den Medien. Herbert fängt an, sein gefeiertes Leben zu schätzen. Nicht früh genug, um in Ruhe sterben zu können. Zu spät, um davon ein Leben anzufangen. Und zu kurz, um in Rente zu gehen, denn der Tod ist verabredet. Morgen um zwölf soll er sein. Frei und willig. Und wieder ist Herbert um den Schlaf gebracht.

„Der Selbstmörder“ ist das zweite große Stück Nikolaj R. Erdmanns, das aber, im Gegensatz zu seinem überaus populären Erstlingswerk „Das Mandat“ (1925), bei den Vorbereitungen zur Aufführung abgesetzt wurde und in der Sowjetunion erst während der Perestrojka 1987 auf die Bühne kam. Das Stück stammt aus der Gogolschen Tradition, zu der sich Erdmann in mehreren direkten Anspielungen und Zitaten ausdrücklich bekennt. Die Ähnlichkeiten in der dramatischen Konstruktion sind augenfällig: Groteske Überspitzung der Charaktere und eine geschickte Kombination von Situationskomik und geschliffenem Wortwitz sind die häufigsten Stilmittel von Erdmanns Satire.

UA: Theater Marburg, 06. November 2010

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Relation zum Titel Der Selbstmörder
URL part der-selbstmoerder
Subtitel Satirische Komödie nach Nicolai R. Erdmann
Originaltitel
Coautoren
Uebersetzung
Bearbeiter
Komponist
Genre
Subverlaginfo
Damen 3
Herren 7
Ergaenzung kl. Rollen
Anmerkungen UA: Theater Marburg, 06. November 2010
Einleitung Herbert Huber findet keinen Schlaf. Da ist ein Bett. Da ist seine Frau. Da ist die Nacht. Aber da ist kein Job. Wie soll er es bloß anstellen, ohne Anstellung zu leben? Herbert ist kein Arbeitsloser, der aufgibt: Er hat Elan. Er hat einen Business Plan. Und er hat Ideen!
Haupttext Hat man schon von einem berühmten Autofahrer gehört? Ja! Oder einem gutbezahlten Geiger? Ja. Aber von einem Weltstar, der Tuba bläst? Nein! Das ist dann die Marktlücke! Das ist dann die Geschäftsidee für die Ich-AG. Die Ausrüstung ist rasch bei der Nachbarschaft geliehen. Und schon geht es los mit dem Klein-Unternehmen „Huber bläst Tuba, AG“. Die Noten sind da. Das Unternehmen ist gegründet. Die Auftritte können gebucht werden! Jetzt bleibt nur noch eine Frage: Wie spielt man auf einer Tuba? Wieder ist Herbert um den Schlaf gebracht. So eine Tuba will geübt sein. Und Talent erfordert sie auch. Als Herbert das klar wird, bricht er in Verzweiflung die Übungsstunde ab: Wovon soll der denn jetzt sein Leben bezahlen? Mit seinem Leben? Herbert ahnt nicht, was seine unbedachte Äußerung auslöst. Wer laut den Selbstmord erwähnt, dem drohen ungebetene Zuhörer: Manch ein Unzufriedener kriegt Wind von einem Selbstmord-Plan, manch einer findet daran Gefallen, und bald klopfen an Herbert Hubers Tür illustre Zeitgenossen, die gern etwas von dem Selbstmord hätten: Warum sich sinnlos umbringen? Warum nicht mit Grund? Es gibt so viele Gründe? All die EU-Verordnungen. Das Bankensterben. Die Jugendgewalt. Die Steuersenkung! (Oder Erhöhung?) Bald steht Herbert als Selbstmord-Unternehmer im Mittelpunkt gesellschaftlicher Interessen. Mit jedem Vorschuss, der für seinen Selbstmord anfällt, wird das Leben schöner. Mit einem Mal ist er als Selbstmörder in bester Gesellschaft und ein gesuchter Gast in den Medien. Herbert fängt an, sein gefeiertes Leben zu schätzen. Nicht früh genug, um in Ruhe sterben zu können. Zu spät, um davon ein Leben anzufangen. Und zu kurz, um in Rente zu gehen, denn der Tod ist verabredet. Morgen um zwölf soll er sein. Frei und willig. Und wieder ist Herbert um den Schlaf gebracht. <br><br>„Der Selbstmörder“ ist das zweite große Stück Nikolaj R. Erdmanns, das aber, im Gegensatz zu seinem überaus populären Erstlingswerk „Das Mandat“ (1925), bei den Vorbereitungen zur Aufführung abgesetzt wurde und in der Sowjetunion erst während der Perestrojka 1987 auf die Bühne kam. Das Stück stammt aus der Gogolschen Tradition, zu der sich Erdmann in mehreren direkten Anspielungen und Zitaten ausdrücklich bekennt. Die Ähnlichkeiten in der dramatischen Konstruktion sind augenfällig: Groteske Überspitzung der Charaktere und eine geschickte Kombination von Situationskomik und geschliffenem Wortwitz sind die häufigsten Stilmittel von Erdmanns Satire.<br><br>
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