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Orestie

Agamemnon/ Die Spenderinnen am Grab/ Die Wohlwollenden


Aischylos

Aus dem Alt-Griechischen von Dietrich Ebener

Übersetzung durch Dietrich Ebener



Die einzig vollständig erhaltene Tragödien-Trilogie der Antike thematisiert die blutige Geschichte des fluchbeladenen Geschlechts der Atriden und führt am Ende zur gefeierten Ablösung des archaischen Rechts der Blutrache durch das moderne juristische Prinzip gesetzlich geregelter Gerichtsverfahren.

Zehn Jahre war Agamemnon im Trojanischen Krieg. Vorher hatte er seine Tochter Iphigenie den Göttern geopfert. Klytaimnestra, die Mutter und seine Frau, nimmt nun blutige Rache an dem Heimkehrer und ermordet ihn. Der in der Fremde großgezogene Sohn Agamemnons Orest trifft am Grab seines Vaters auf seine Schwester Elektra. Beide beschließen, den Tod des Vaters zu rächen. Klytaimnestra stirbt.
Von den Rachegeistern verfolgt, flüchtet Orest zum Tempel des Apollon. Es kommt zu einem Gerichtsverfahren in Athen. Die Stadtgöttin Athene bestimmt, daß ein Geschworenengericht stattfinden soll. Über Recht und Unrecht zu urteilen, soll von nun an Sache des Staates und des Volkes sein. (Schauspiel Frankfurt)

"Die Vorgeschichte der Handlung, der Fluch, der auf den Nachkommen des Atreus schon seit den Vergehen ihres Stammvaters Tantalos lastete und sich in immer neuen Bluttaten von Generation zu Generation fortsetzte, wurde in der Trilogie nicht mehr unmittelbar herangezogen; Aischylos setzte die Kenntnis bei den Zuschauern voraus und stellte den Gedanken der darin nachwirkenden „bewussten bösen Tat“ in den Mittelpunkt des Geschehens, das er seinem Publikum vorführte. Der von blutige, unmenschlichen Verbrechen gekennzeichnete Kampf des Atreus und des Thyestes um die Macht, der in Kassandras ekstatischer Prophezeiung erneut Leben gewinnt, bildet eine Vorstufe des Grässlichen, dessen Zeuge der Zuschauer wird.

Die Stimmung, die über dem Geschehen lastet, ballt sich im „Agamemnon“ schon in den Worten des Wächters zu düsterer Wolke zusammen. Das Dunkel verdichtet sich Zug um Zug. Aus den Liedern des Chores der Ältesten von Argos erstehen, Vorbereitung der ganzen Trilogie, die entscheidungsschweren Ereignisse, die dem Krieg gegen Troja vorausgingen und dem Sieger von vornherein die Freude über das Erreichte trüben. Zeus weist dem Menschen, der sich um Erkenntnis bemüht, einen Sinn des Leidens; er erspart es ihm nicht.

Schält man aus der mythischen Hülle den gesellschaftlichen Kern heraus, so ergibt sich der Sieg der attischen Demokratie in der Frage der Rechtsbeziehung zwischen Mann und Frau: Nach der Bestimmung des attischen Erbrechts zogen die materiellen Ansprüche des Mannes der Gattin und Mutter sehr enge Grenzen. Die Ablösung des in der Gentilgesellschaft üblichen starren Grundsatzes ,Blut um Blut‘ durch eine geordnete Rechtssprechung stellt einen wichtigen Fortschritt dar; aber Aischylos war zu der Zeit, da er die Orestie schrieb, Realist genug, um zu wissen, dass es eine ,allgemeine Moral‘ nicht gibt, dass der Begriff der Gerechtigkeit relativ und ein Ausdruck bestimmter sozialer Interessen ist.

Die Orestie lässt uns das antike Urteil verstehen, nach dem die Hauptwirkung der Tragödien des Aischylos in der Ekplexis bestanden habe, dem ,In-Schrecken-Setzen‘, dem ,Aus-der-Fassung-Bringen‘, in der Kraft, die Zuschauer aus dem Alltag herauszureißen, sie zu erschüttern und zu begeistern. Sie lässt uns aber auch erkennen, in welchem Umfang diese Kraft bei aller Anerkennung der meisterhaft eingesetzten szenischen Mittel, aus dem Inhaltlichen erwächst, aus der organischen Verbindung des Einzelschicksals mit den Problemen der Gesamtheit, der unter dem mythischen Gewand überall spürbaren gesellschaftlichen Realität und der trotz härtestem Leid lebensbejahenden Grundhaltung."

(Dietrich Ebener)

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Relation zum Titel Orestie
URL part orestie
Subtitel Agamemnon/ Die Spenderinnen am Grab/ Die Wohlwollenden
Originaltitel
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Uebersetzung Aus dem Alt-Griechischen von Dietrich Ebener
Bearbeiter
Komponist
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Ergaenzung
Anmerkungen
Einleitung Die einzig vollständig erhaltene Tragödien-Trilogie der Antike thematisiert die blutige Geschichte des fluchbeladenen Geschlechts der Atriden und führt am Ende zur gefeierten Ablösung des archaischen Rechts der Blutrache durch das moderne juristische Prinzip gesetzlich geregelter Gerichtsverfahren.
Haupttext <p>Zehn Jahre war Agamemnon im Trojanischen Krieg. Vorher hatte er seine Tochter Iphigenie den Göttern geopfert. Klytaimnestra, die Mutter und seine Frau, nimmt nun blutige Rache an dem Heimkehrer und ermordet ihn. Der in der Fremde großgezogene Sohn Agamemnons Orest trifft am Grab seines Vaters auf seine Schwester Elektra. Beide beschließen, den Tod des Vaters zu rächen. Klytaimnestra stirbt.<br />Von den Rachegeistern verfolgt, flüchtet Orest zum Tempel des Apollon. Es kommt zu einem Gerichtsverfahren in Athen. Die Stadtgöttin Athene bestimmt, daß ein Geschworenengericht stattfinden soll. Über Recht und Unrecht zu urteilen, soll von nun an Sache des Staates und des Volkes sein. (Schauspiel Frankfurt)</p><p>&quot;Die Vorgeschichte der Handlung, der Fluch, der auf den Nachkommen des Atreus schon seit den Vergehen ihres Stammvaters Tantalos lastete und sich in immer neuen Bluttaten von Generation zu Generation fortsetzte, wurde in der Trilogie nicht mehr unmittelbar herangezogen; Aischylos setzte die Kenntnis bei den Zuschauern voraus und stellte den Gedanken der darin nachwirkenden „bewussten bösen Tat“ in den Mittelpunkt des Geschehens, das er seinem Publikum vorführte. Der von blutige, unmenschlichen Verbrechen gekennzeichnete Kampf des Atreus und des Thyestes um die Macht, der in Kassandras ekstatischer Prophezeiung erneut Leben gewinnt, bildet eine Vorstufe des Grässlichen, dessen Zeuge der Zuschauer wird.</p><p>Die Stimmung, die über dem Geschehen lastet, ballt sich im „Agamemnon“ schon in den Worten des Wächters zu düsterer Wolke zusammen. Das Dunkel verdichtet sich Zug um Zug. Aus den Liedern des Chores der Ältesten von Argos erstehen, Vorbereitung der ganzen Trilogie, die entscheidungsschweren Ereignisse, die dem Krieg gegen Troja vorausgingen und dem Sieger von vornherein die Freude über das Erreichte trüben. Zeus weist dem Menschen, der sich um Erkenntnis bemüht, einen Sinn des Leidens; er erspart es ihm nicht.</p><p>Schält man aus der mythischen Hülle den gesellschaftlichen Kern heraus, so ergibt sich der Sieg der attischen Demokratie in der Frage der Rechtsbeziehung zwischen Mann und Frau: Nach der Bestimmung des attischen Erbrechts zogen die materiellen Ansprüche des Mannes der Gattin und Mutter sehr enge Grenzen. Die Ablösung des in der Gentilgesellschaft üblichen starren Grundsatzes ,Blut um Blut‘ durch eine geordnete Rechtssprechung stellt einen wichtigen Fortschritt dar; aber Aischylos war zu der Zeit, da er die Orestie schrieb, Realist genug, um zu wissen, dass es eine ,allgemeine Moral‘ nicht gibt, dass der Begriff der Gerechtigkeit relativ und ein Ausdruck bestimmter sozialer Interessen ist.</p><p>Die Orestie lässt uns das antike Urteil verstehen, nach dem die Hauptwirkung der Tragödien des Aischylos in der Ekplexis bestanden habe, dem ,In-Schrecken-Setzen‘, dem ,Aus-der-Fassung-Bringen‘, in der Kraft, die Zuschauer aus dem Alltag herauszureißen, sie zu erschüttern und zu begeistern. Sie lässt uns aber auch erkennen, in welchem Umfang diese Kraft bei aller Anerkennung der meisterhaft eingesetzten szenischen Mittel, aus dem Inhaltlichen erwächst, aus der organischen Verbindung des Einzelschicksals mit den Problemen der Gesamtheit, der unter dem mythischen Gewand überall spürbaren gesellschaftlichen Realität und der trotz härtestem Leid lebensbejahenden Grundhaltung.&quot;</p><p>(Dietrich Ebener)</p>
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