Eine dystopische Welt in der Zukunft: Ein geschundener Hund begegnet seinem „Retter“: Nicht uneigennützig lockt ein Wissenschaftler das Tier in seine Praxis. Verjüngung und Optimierung von Menschenkörpern sind dort das Programm. Er pflanzt dem Hund die Hirnanhangdrüse und die Hoden eines kleinkriminellen Kneipen-Musikanten ein – was ihn „menschlich“ werden lässt. Das neue Wesen aber zeigt sich höchst anfällig für Manipulation, saugt Propaganda und Parolen gierig auf. Gewalt gegen Andere, besonders „Katzenartige“, scheint ein unausrottbarer Drang. Der Assistent Dr. Blumenthal und die etwas verlorene Harriet kämpfen dagegen mit ihren sehr menschlichen Nöten. Und von draußen tönt lautstark der „Chor der solidarischen rebellierenden Unberechtigten“. In hybriden Wesen und Mutanten hat die soziale Hackordnung ihre neuen Underdogs. Und nicht nur der Androidin Sina wird klar: nicht Solidarität, sondern allein Ego-Mania herrscht da im neuen Menschen.Armin Petras hat Bulgakows bissigen Klassiker in die Post-Apokalypse versetzt und für das Heute aufgefrischt.
Ein Stück über eine Gesellschaft, in der Abtreibung illegal ist, und die verschiedensten Perspektiven auf das Thema Schwangerschaftsabbruch. Ärztin Marie und Hebamme Sylvia betreiben eine illegale Abtreibungsklinik. Trotz zahlreicher Vorsichtsmaßnahmen kommt es zum Schlimmsten: Die Abtreibungsgegnerin Vera entdeckt die Klinik und tötet dabei aus Versehen die hochschwangere Marie. Zunächst kämpft Vera mit Gewissensbissen, doch dann entschließt sie sich, mit ihrem Fall den Weg für eine Gesetzesänderung zu bereiten. Sie plädiert auf zweifachen statt einfachen Mord, um Personenstatus für Föten zu erwirken. In einem zweiten Erzählstrang wünscht sich die schwangere Louise eine Abtreibung. Der Erzeuger, Politiker und Abtreibungsgegner Simon, enttäuscht nicht nur Louise, sondern auch seine Anhängerin Maureen, denn er will von der Situation nichts wissen. Louise versucht vom zuständigen Komitee eine Abtreibungserlaubnis zu erwirken – vergebens. Nur eine illegale Abtreibung hält sie vom Suizid ab. Marie-Ève Milot und Marie-Claude St-Laurent zeichnen in ILLEGAL differenzierte Figuren, die alle versuchen, auf die Frage zu antworten: Wie viel ist welches Leben wert? Dabei gelingt es ihnen, die Schicksale in ihrer Tragik aufzufangen, aber auch immer wieder Humor einzustreuen.
Karim und sein bester Freund Mo wohnen in der Lerchenstraße nur ein paar Häuser voneinander entfernt. Direkt gegenüber -genauer DA DRÜBEN- steht seit nicht allzu langer Zeit ein großes Haus mit komischen Menschen, sie haben weiße, graue oder gar keine Haare mehr und tragen verräterische Knöpfe in den Ohren. Außerdem scheinen alle von einem Zeitlupeneffekt befallen. Das ist eben ein „Altersheim“, erklärt Schwester Yara ihnen. Mo und Karim sind sicher: Älter werden müssen sie um jeden Preis vermeiden! Am besten geht das, wenn sie einfach keine Geburtstage mehr feiern. Aber so ganz ohne ist auch langweilig. Also feiert Karim seinen Nicht-Geburtstag. Und genau dabei taucht Herr Lila von DA DRÜBEN auf und zeigt den beiden, dass auch im Alter nicht alles schlimm ist. Autorin Coco Plümer erkundet in EY, ALTER! spielerisch das Thema Zeit und eröffnet einen Dialog der Generationen, der die Schönheit des Verschiedenseins in den Mittelpunkt stellt. Das Stück ist im Rahmen von „Nah dran! Neue Stücke für das Kindertheater" entstanden, einem Kooperationsprojekt des Kinder- und Jugendtheaterzentrums in der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Literaturfonds e.V., und mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes gefördert.
Ines ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Also solche weiß sie genau, wie man das Geld am besten zusammenhält. Und es gibt doch ein großartiges Steuersparmodell: Ehegattensplitting! Jugendfreund Moritz wäre dafür der geeignete Partner, denn der ist Archivar in einem Musikmagazin und verdient sehr wenig. Moritz stimmt zu und der Plan läuft wie geschmiert. Doch plötzlich zieht ausgerechnet der Finanzbeamte, der für das falsche Ehepaar zuständig ist, neben Moritz ein. Vor diesem Publikum muss das „glückliche Paar“ seine Komödie nun so überzeugend spielen, dass der neue Nachbar keinen Verdacht schöpft. Darüber gerät die Beziehung zwischen Ines und Moritz aus ihren geordneten Bahnen.Matthias Sachaus Roman wurde von Jens Urban in eine unterhaltsame Filmkomödie mit Diana Amft und Florian Lukas in den Hauptrollen verwandelt.Antoinette Petermann hat Jens Urbans Bühnenfassung ins Schweizerdeutsche übertragen.
Was würde Beamarchais‘ Figaro machen, wenn er in die kapitalistische Arbeitswelt hineingeworfen würde? Diesem Gedankenexperiment nähern sich Nicola Bremer und Gian Maria Cervo in feinster Workplace-Comedy-Manier. Figaro arbeitet mit Herrmann und Susanne in einer Kaffeefabrik, die jeden Tag einen neuen Kaffee auf den Markt wirft und für dessen Herstellung und Bewerbung die Angestellten selbst zuständig sind. Ihr Chef Jochen hält sich für einen großen Komiker, einen noch größeren Freund und den besten Chef der Welt. Auf die Zahlen schaut Frau Doktorin Unternehmensberaterin, die von allen nur die Unternehmensdiktatorin genannt wird. Das Hamsterrad dreht sich immer weiter, es bleibt nicht mal Zeit für einen Kaffee und Figaro kann dem Druck nur in seinen Träumen entfliehen. Mit viel Witz, Musik und einer guten Prise Kritik am Neoliberalismus schaffen die beiden Autoren einen unterhaltsamen Abend mit liebenswerten Figuren.
Richard hat geladen: seine Schwestern, seinen Neffen, dessen Freundin und einen engen Freund. Alle will er an diesem Abend überraschen. Er hat nämlich im Lotto gewonnen und will die stattliche Summe als vorzeitiges Erbe einer oder einem der Anwesenden vermachen. Voraussetzung dafür: die Erbin, der Erbe werden vom ganzen Saal gewählt und trauen sich zu, eine weitere Aufgabe für Richard zu erfüllen. Nach einer Vorstellungsrunde der Anwesenden entbrennt der Kampf ums Geld. Doch spielt Richard ehrlich? Und wer soll schließlich den Lottoschein erhalten? Ein Krimi-Dinner, das mit witzigen Wendungen überrascht und der Frage nachgeht, was man für das liebe Geld alles bereit zu tun wäre.
In Lauf an der Pegnitz quartiert sich für eine Nacht die junge Historikerin Ann-Kathrin in einer Gaststätte ein. Das Zimmer ist gemütlich, die Wirtin freundlich. Will es der Zufall, aber der Kirchenreformer Jan Hus verbrachte im selben Ort vor 600 Jahren auch eine gewisse Zeit, auf seinem Weg nach Konstanz zum Konzil. Ann-Kathrin hat sich auf das Leben und Wirken des Hus spezialisiert. Umso überraschter ist sie, als dieser plötzlich leibhaftig in ihrem Zimmer steht. Offenbar existiert eine Zeitanomalie, die die Begegnung der beiden möglich macht. Nach erster Verunsicherung entspinnt sich ein Gespräch über die Kirche, den Glauben, die Freiheit und den Gang der Dinge. An dessen Ende steht die Frage, ob Jan Hus nach Konstanz in seinen sicheren Tod auf dem Scheiterhaufen fahren, oder von der Reise absehen wird.
KRIEG UND FRIEDEN ist gleichermaßen Epochenchronik wie ein Panorama des russischen Lebens. Der Roman zeigt ganze Gesellschaft jener Zeit, von den höchsten Hof-, Adels- und Militärkreisen bis zu den leibeigenen Bauern und einfachen Soldaten. Von den Petersburger Salons bis in die russische Provinz. Gleichzeitig werden aber auch die Schlachten von Austerlitz und Borodino, der Brand von Moskau sowie der fluchtartige Rückzug der Franzosen thematisiert. In Tolstois monumentalem Werk spiegeln sich die großen philosophischen Fragen und historischen Ereignisse im Schicksal einzelner Menschen in Russland zur Mitte des 19. Jahrhunderts und so formuliert sich ein Weltbild, das Geschichte nicht nur als Kausalkette begreift, sondern auch ihren Einfluss auf das Leben jedes Einzelnen in den Vordergrund stellt.
Pater Iversen hat eine Mission: die Rettung seiner provinziellen Pfarrgemeinde. Und er hat schon eine Idee: Mit einer spektakulären Aufführung der Passionsgeschichte will er den theaterbegeisterten Erzbischof vom Erhalt der Gemeinde überzeugen. Doch Regisseur Roberto, der von der Berliner Theaterszene gecancelt wurde, und die unfreiwillig zurückgekehrte Metzgerin Mia durchkreuzen seine Pläne. Eine absurde Komödie über Einsamkeit, Verantwortung und die Kirche.
Eingesperrt in ihrem Kinderzimmer wartet Iphigenie auf ihre Hinrichtung und erzählt: Alles begann mit Ururgroßvater Tantalos und einem Familienfluch. Zwei Generationen später entfacht ihr Vater Agamemnon den Trojanischen Krieg und erzürnt durch das Töten einer heiligen Hirschkuh die Göttin Artemis. Als Strafe schickt sie Windstille: Nur das Opfer Iphigenies kann sie besänftigen. In ihrer Isolation beginnt Iphigenie, ihr Schicksal zu hinterfragen – und das System, das es hervorgebracht hat. Kann ein Vater, der sich in soldatischer Pflicht verliert, trotzdem lieben? Gibt es einen Ausweg aus dem Narrativ, das Frauen nur als Opfer, Heilige oder Hexen kennt? Wer ist Iphigenie jenseits patriarchaler Mythen und fremder Zuschreibungen?