Das Schweigen der Männer

Wie die Autorin Sigrid Behrens der Königin Berenike, aller Welt lediglich als die Geliebte des Kaisers Titus bekannt, endlich einen ordentlichen Tod schenkt, einen, der sich erinnern lässt und auf den diese sich künftig berufen kann

Von Sigrid Behrens

4 D
4 H

Eine Frau räsoniert über ihren Tod, über den niemand etwas weiß, nicht einmal sie selbst. Ist sie in eine Felsspalte gestützt, einfach entschlafen, in der Wüste verloren gegangen oder an einer Krankheit gestorben? Wurde sie getötet, hat sie sich selbst umgebracht? Oder lebt sie womöglich noch immer?
In diesem Text geht es um Berenike. Sie erzählt uns aus ihrer Perspektive von ihrer Beziehung zu Titus, Sohn des Vespasian, späterer Kaiser von Rom. Von ihren ganz eigenen Beweggründe, Heim und Hof zu verlassen und einem deutlich jüngeren Mann, ausgerechnet jenem Heeresführer, der die erbitterten Aufstände ihrer Landsleute aufs blutigste niedergeschlagen hat, ins römische Exil zu folgen. War das Liebe oder Flucht? Haben wir es hier mit dem Stockholm-Syndrom zu tun oder schlicht mit der pragmatischen Entscheidung einer Frau, die trotz ihres Status’ kein Land ihre Heimat nennen kann und keine Lobby ihr eigen, die genug hat von der Ehe, von sie unterwerfenden Männern und anderen Übergriffen?
Über die Bande von Figuren, die wahlweise mit Berenike gelebt haben oder ihrem Leben nachspürten, sucht dieser Text nach der Wahrheit über eine vergessene Königin und deren Verbleib. Am Ende darf Berenike endlich die Bühne verlassen, als bedingt befriedete, in jedem Fall verstorbene Figur, so steht es geschrieben, und was geschrieben steht, das bleibt.

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