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Die Perser


Aischylos

Aus dem Alt-Griechischen von Dietrich Ebener

Übersetzung durch Dietrich Ebener

Schauspiel


1 D | 3 H
Chor, Gefolge

"Es fehlt nicht an Kritikern, die den Wert des Stückes gering veranschlagen. Vom Äußeren her gesehen, lassen sich nicht wenige Einwände erheben: Der Anlass, zu dem der Rat der Alten als Chor zusammentrete, sei schwach und werde nicht folgerichtig durchgeführt. Von einer dramatischen Handlung lasse sich kaum reden, und der Grundgedanke, Macht und Reichtum zeugten Übermut, der von den Göttern bestraft werde, sei weder neu noch gewichtig genug, dem Stück eindrucksvollen geistigen Gehalt zu verleihen. Im Grunde werde vom Anfang bis zum Ende ein und dieselbe Lebensregel in gewissen Variationen vorgetragen, und der Einsatz rhetorisch-deklamatorischer Mittel könne über die Dürftigkeit des Gegenstandes nicht hinweghelfen. Bedeutsam sei lediglich der Appell des Stückes an das Nationalgefühl seines Publikums, und offenbar habe der Dichter diesem Appell auch den ersten Preis zu verdanken. Alles in allem habe man es in dem Werk mit einer theatralisch aufgeputzten patriotischen Festrede zu tun, deren Schluss noch nicht einmal konstruktiv sei und in rituelle Klagelieder auslaufe.

In jedem dieser Einwände steckt ein Körnchen Wahrheit. Bestehen bleibt aber die unbestreitbare Wirkung, die das Stück selbst auf den modernen Leser und vor allem auf den Zuschauer ausübt. Bedurfte es des Erlebnisses zweier Weltkriege, um dem Publikum unseres Jahrhunderts die Sinne zu schärfen für die Aussage eines Dramas, dessen Schwächen, am landläufig angenommenen Handwerkszeug eines dramatischen Dichters gemessen, nicht von der Hand zu weisen sind?

Man wird die Frage grundsätzlich bejahen. Aber man sollte sich hüten, dieses Ja als eine Art von Entschuldigung zu betrachten, die, wie es moderne Kritiker zuweilen mit Recht tun, künstlerische Schwächen zu inhaltlichen Stärken in Gegensatz zu stellen sucht. Man sollte eher den Mut aufbringen, in manchen überkommenen Normen bewährte Möglichkeiten, keineswegs aber unabdingbare Voraussetzungen der Gestaltung sehen. Und man sollte anerkennen, in welchem Umfang ein Dichter Aufbau und Gehalt eines Werkes, noch auf einer klar ersichtlichen Stufe archaischer Schlichtheit, zu einem Ganzen verschmolz."

(Dietrich Ebener)

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Relation zum Titel Die Perser
URL part die-perser
Subtitel
Originaltitel
Coautoren
Uebersetzung Aus dem Alt-Griechischen von Dietrich Ebener
Bearbeiter
Komponist
Genre Schauspiel
Subverlaginfo
Damen 1
Herren 3
Ergaenzung Chor, Gefolge
Anmerkungen
Einleitung "Es fehlt nicht an Kritikern, die den Wert des Stückes gering veranschlagen. Vom Äußeren her gesehen, lassen sich nicht wenige Einwände erheben: Der Anlass, zu dem der Rat der Alten als Chor zusammentrete, sei schwach und werde nicht folgerichtig durchgeführt. Von einer dramatischen Handlung lasse sich kaum reden, und der Grundgedanke, Macht und Reichtum zeugten Übermut, der von den Göttern bestraft werde, sei weder neu noch gewichtig genug, dem Stück eindrucksvollen geistigen Gehalt zu verleihen. Im Grunde werde vom Anfang bis zum Ende ein und dieselbe Lebensregel in gewissen Variationen vorgetragen, und der Einsatz rhetorisch-deklamatorischer Mittel könne über die Dürftigkeit des Gegenstandes nicht hinweghelfen. Bedeutsam sei lediglich der Appell des Stückes an das Nationalgefühl seines Publikums, und offenbar habe der Dichter diesem Appell auch den ersten Preis zu verdanken. Alles in allem habe man es in dem Werk mit einer theatralisch aufgeputzten patriotischen Festrede zu tun, deren Schluss noch nicht einmal konstruktiv sei und in rituelle Klagelieder auslaufe.
Haupttext <p>In jedem dieser Einwände steckt ein Körnchen Wahrheit. Bestehen bleibt aber die unbestreitbare Wirkung, die das Stück selbst auf den modernen Leser und vor allem auf den Zuschauer ausübt. Bedurfte es des Erlebnisses zweier Weltkriege, um dem Publikum unseres Jahrhunderts die Sinne zu schärfen für die Aussage eines Dramas, dessen Schwächen, am landläufig angenommenen Handwerkszeug eines dramatischen Dichters gemessen, nicht von der Hand zu weisen sind?</p><p>Man wird die Frage grundsätzlich bejahen. Aber man sollte sich hüten, dieses Ja als eine Art von Entschuldigung zu betrachten, die, wie es moderne Kritiker zuweilen mit Recht tun, künstlerische Schwächen zu inhaltlichen Stärken in Gegensatz zu stellen sucht. Man sollte eher den Mut aufbringen, in manchen überkommenen Normen bewährte Möglichkeiten, keineswegs aber unabdingbare Voraussetzungen der Gestaltung sehen. Und man sollte anerkennen, in welchem Umfang ein Dichter Aufbau und Gehalt eines Werkes, noch auf einer klar ersichtlichen Stufe archaischer Schlichtheit, zu einem Ganzen verschmolz.&quot;</p><p>(Dietrich Ebener)</p>
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