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PERDU

Eine Barockhochzeit auf Probe


René Harder

Opern-Pasticcio


4 D | 9 H
Statisten/Orchester

Kleine Epochenkunde: ... Barock ...? Vanitas Vanitatum, ja mehr denn ganz verheeret, ... Und was bleibt noch? René Harder, ein junger, agiler Hamburger Regisseur und Schauspieler leistet sich in seinem Opern-Pasticcio „Perdu – Eine Barockhochzeit auf Probe“ einen geraden, historisch nicht durchbrochenen Blick auf diese Zeit und wagt einen weithin berauschenden Tanz auf der schiefrunden Perle.

Es gibt viel zu tun, man spielt, eine Hochzeit soll es werden, das größte Fest, das der Erdkreis jemals gesehen hat – zumindest die Ober- und Unterlausitz – Kosten und Mühen interessieren nicht den kleinsten Perückenfloh. Wie sollten sie auch, wenn der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Johann Georg Friedrich Herzog von Sachsen zu Jülich, Cleve und Berg, auch Engern, Markgraf in Meissen, auch Vorder- und Hinterlausitz, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Marck und Ravensberg, Herr zu Ravenstein und Tonna etc. pp. heiraten will – dazu auch noch eine Prinzessin, die wohl ebenso viele Titel und Ehren aufweist, wie sie an Vermögen schwer ist. Denn darin liegt der Zweck und gleichzeitig die Rahmenhandlung: Der Fürst ist, wie sollte es anders sein, pleite und kann sich nur noch durch die Heirat retten. Also muss ein Fest her, das alles sprengt – zunächst aber muss geprobt werden. So geben sich Haushofmeister, Gedichtchen aufsagende Zwerge, sprechende Statuen und allerlei Volk die Ehre und sind bereit, Alles für ihren Fürsten aufzubringen. Je größer das Chaos sich aufbläht, je tiefer die Akteure im Strudel der Wirrnis und der Schäbigkeit planschen, desto grandioser und praller wird der Spaß für das Publikum, das sich plötzlich in der Rolle von fürstlichen Hof-Leibtrittträgern und Hofzuschrotern befindet. Musikalische Einspielungen und Gesänge, dazu noch ein Feuerwerk – so gerät Harders Konzept zu einem Freilichtspektakel, wie es dem überflussverwöhnten Postpostpostpost...barockmenschen im 21. Jahrhundert nicht vorenthalten werden sollte. Das Fest auf der Bühne wird zum universalen Fest, in dem alle begreifen können, dass Theater nichts ist, wenn es kein Fest ist.

Die Uraufführung in Görlitz im Sommer 2004 unter der Regie und mit der Mitwirkung des Autors geriet zum vollen Erfolg. Harder scheint auf sehr subtile Weise gefunden zu haben, worin der Reiz einer überaus ausstattungsreichen und opulenten, dennoch aber anspruchsvollen Barockdarbietung liegt: Je mehr man sich dem Bankrott und damit (auch heute) dem Rausschmiss aus dem göttlichen Hedonismus nähert, desto fülliger, blinder und geiler wird das Spiel; am Ende sind wir ohnehin alle perdu.
Doch auch außerhalb dieser Perspektive funktioniert Harders Konzept. Wie auch immer eine Dramaturgie den Schwerpunkt setzt, Perdu ist ein großartiges Spektakel, nicht nur für ein aufgeschlossenes und interessiertes Publikum, sondern auch für ein Ensemble, das die Lust am Spiel und Fest noch nicht aufgegeben hat.

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Relation zum Titel PERDU
URL part perdu
Subtitel Eine Barockhochzeit auf Probe
Originaltitel
Coautoren
Uebersetzung
Bearbeiter
Komponist
Genre Opern-Pasticcio
Subverlaginfo
Damen 4
Herren 9
Ergaenzung Statisten/Orchester
Anmerkungen
Einleitung Kleine Epochenkunde: ... Barock ...? Vanitas Vanitatum, ja mehr denn ganz verheeret, ... Und was bleibt noch? René Harder, ein junger, agiler Hamburger Regisseur und Schauspieler leistet sich in seinem Opern-Pasticcio „Perdu – Eine Barockhochzeit auf Probe“ einen geraden, historisch nicht durchbrochenen Blick auf diese Zeit und wagt einen weithin berauschenden Tanz auf der schiefrunden Perle.
Haupttext Es gibt viel zu tun, man spielt, eine Hochzeit soll es werden, das größte Fest, das der Erdkreis jemals gesehen hat – zumindest die Ober- und Unterlausitz – Kosten und Mühen interessieren nicht den kleinsten Perückenfloh. Wie sollten sie auch, wenn der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Johann Georg Friedrich Herzog von Sachsen zu Jülich, Cleve und Berg, auch Engern, Markgraf in Meissen, auch Vorder- und Hinterlausitz, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Marck und Ravensberg, Herr zu Ravenstein und Tonna etc. pp. heiraten will – dazu auch noch eine Prinzessin, die wohl ebenso viele Titel und Ehren aufweist, wie sie an Vermögen schwer ist. Denn darin liegt der Zweck und gleichzeitig die Rahmenhandlung: Der Fürst ist, wie sollte es anders sein, pleite und kann sich nur noch durch die Heirat retten. Also muss ein Fest her, das alles sprengt – zunächst aber muss geprobt werden. So geben sich Haushofmeister, Gedichtchen aufsagende Zwerge, sprechende Statuen und allerlei Volk die Ehre und sind bereit, Alles für ihren Fürsten aufzubringen. Je größer das Chaos sich aufbläht, je tiefer die Akteure im Strudel der Wirrnis und der Schäbigkeit planschen, desto grandioser und praller wird der Spaß für das Publikum, das sich plötzlich in der Rolle von fürstlichen Hof-Leibtrittträgern und Hofzuschrotern befindet. Musikalische Einspielungen und Gesänge, dazu noch ein Feuerwerk – so gerät Harders Konzept zu einem Freilichtspektakel, wie es dem überflussverwöhnten Postpostpostpost...barockmenschen im 21. Jahrhundert nicht vorenthalten werden sollte. Das Fest auf der Bühne wird zum universalen Fest, in dem alle begreifen können, dass Theater nichts ist, wenn es kein Fest ist.<br><br>Die Uraufführung in Görlitz im Sommer 2004 unter der Regie und mit der Mitwirkung des Autors geriet zum vollen Erfolg. Harder scheint auf sehr subtile Weise gefunden zu haben, worin der Reiz einer überaus ausstattungsreichen und opulenten, dennoch aber anspruchsvollen Barockdarbietung liegt: Je mehr man sich dem Bankrott und damit (auch heute) dem Rausschmiss aus dem göttlichen Hedonismus nähert, desto fülliger, blinder und geiler wird das Spiel; am Ende sind wir ohnehin alle perdu.<br>Doch auch außerhalb dieser Perspektive funktioniert Harders Konzept. Wie auch immer eine Dramaturgie den Schwerpunkt setzt, Perdu ist ein großartiges Spektakel, nicht nur für ein aufgeschlossenes und interessiertes Publikum, sondern auch für ein Ensemble, das die Lust am Spiel und Fest noch nicht aufgegeben hat.<br>
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