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Michael Kohlhaas

Bühnenfassung von Matthias Faltz und Alexander Leiffheidt nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist


Heinrich von Kleist, Matthias Faltz, Alexander Leiffheidt

Schauspiel


1 D | 4 H

Der Intendant des Hessischen Landestheaters Marburg, Matthias Faltz, und der Dramaturg Alexander Leiffheidt haben die kleistsche Novelle über Gerechtigkeit, Unrechtsempfinden und den unumstößlichen Willen des Individuums neu für die Bühne bearbeitet und sind dem Grundgedanken des umfassenden Werks dabei treu geblieben.

"Ein Mensch, getrieben vom Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, hat ab einem bestimmten Punkt (wenn er keine Angst vor Verlust mehr hat) nichts mehr zu verlieren und wird sowohl unbeherrschbar als auch unberechenbar. Wenn Kohlhaas nicht mehr auf die Justiz hofft, sondern nur noch seinem Verlangen nach Gerechtigkeit folgt, tritt er aus dem System und hat dennoch unsere Sympathie.

Der Zigeunerinnenepisode führt am Ende doch zu „Gerechtigkeit“ – Kohlhaas triumphiert ob des Zettels in seinem Besitz, die Zigeunerin hat ihm übernatürliche Macht verliehen und somit scheint er durch „höhere Mächte“ zu seinem Recht zu kommen.

Fazit: Nichts ist sicher, die Welt ist und bleibt zerbrechlich. Der Blickwinkel der handelnden/erzählenden Personen (Kohlhaas/Kurfürst) entscheidet über den Fortgang der Geschichte und zwischen Krieg und Frieden, Leben und Tod.

Die Erfahrung von Kontingenz und der Verlust verbriefter Identität sind weder im gesellschaftspolitischen noch im künstlerischen Diskurs etwas Neues; man könnte nahezu jeden beliebigen Text seit der Literatur des Spätbarock daraufhin lesen. Wesentlich erscheint uns etwas Anderes, nämlich das von Kohlhaas unter Aufbietung aller Kräfte vollbrachte Aushalten dieser Erfahrung – das Verharren im Auge der Aporien. Dass das Unentscheidbare keine vorübergehende Störung ist, sondern ein Dauerzustand – dass Handeln trotzdem notwendig, ja unabdingbar ist. Es geht also darum, den Zuschauer an keiner Stelle aus der Widersprüchlichkeit der Handlung zu entlassen. Der Zuschauer muss entscheiden wollen (und um dies zu erreichen, muss er aufgerufen sein, Partei zu nehmen) und nicht können, oder nur unter Aufgabe des eigenen Anspruchs der Objektivität."

(Matthias Faltz und Alexander Leiffheidt zu ihrer Neubearbeitung)

Erstaufführung: Hessisches Landestheater Marburg, 07.09.2013

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Relation zum Titel Michael Kohlhaas
URL part michael-kohlhaas
Subtitel Bühnenfassung von Matthias Faltz und Alexander Leiffheidt nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist
Originaltitel
Coautoren
Uebersetzung
Bearbeiter
Komponist
Genre Schauspiel
Subverlaginfo
Damen 1
Herren 4
Ergaenzung
Anmerkungen Erstaufführung: Hessisches Landestheater Marburg, 07.09.2013
Einleitung <p>Der Intendant des Hessischen Landestheaters Marburg, Matthias Faltz, und der Dramaturg Alexander Leiffheidt haben die kleistsche Novelle über Gerechtigkeit, Unrechtsempfinden und den unumstößlichen Willen des Individuums neu für die Bühne bearbeitet und sind dem Grundgedanken des umfassenden Werks dabei treu geblieben.</p><p>&quot;Ein Mensch, getrieben vom Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, hat ab einem bestimmten Punkt (wenn er keine Angst vor Verlust mehr hat) nichts mehr zu verlieren und wird sowohl unbeherrschbar als auch unberechenbar. Wenn Kohlhaas nicht mehr auf die Justiz hofft, sondern nur noch seinem Verlangen nach Gerechtigkeit folgt, tritt er aus dem System und hat dennoch unsere Sympathie. </p>
Haupttext <p>Der Zigeunerinnenepisode führt am Ende doch zu „Gerechtigkeit“ – Kohlhaas triumphiert ob des Zettels in seinem Besitz, die Zigeunerin hat ihm übernatürliche Macht verliehen und somit scheint er durch „höhere Mächte“ zu seinem Recht zu kommen. Fazit: Nichts ist sicher, die Welt ist und bleibt zerbrechlich. Der Blickwinkel der handelnden/erzählenden Personen (Kohlhaas/Kurfürst) entscheidet über den Fortgang der Geschichte und zwischen Krieg und Frieden, Leben und Tod.</p><p>Die Erfahrung von Kontingenz und der Verlust verbriefter Identität sind weder im gesellschaftspolitischen noch im künstlerischen Diskurs etwas Neues; man könnte nahezu jeden beliebigen Text seit der Literatur des Spätbarock daraufhin lesen. Wesentlich erscheint uns etwas Anderes, nämlich das von Kohlhaas unter Aufbietung aller Kräfte vollbrachte Aushalten dieser Erfahrung – das Verharren im Auge der Aporien. Dass das Unentscheidbare keine vorübergehende Störung ist, sondern ein Dauerzustand – dass Handeln trotzdem notwendig, ja unabdingbar ist. Es geht also darum, den Zuschauer an keiner Stelle aus der Widersprüchlichkeit der Handlung zu entlassen. Der Zuschauer muss entscheiden wollen (und um dies zu erreichen, muss er aufgerufen sein, Partei zu nehmen) und nicht können, oder nur unter Aufgabe des eigenen Anspruchs der Objektivität.&quot;</p><p>(Matthias Faltz und Alexander Leiffheidt zu ihrer Neubearbeitung)</p>
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Bildunterschrift Heinrich von Kleist
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Fotos Copyright © Christian Buseck
Kritiken - Texte <p><u>Pressespiegel zur Erstaufführung des Hessischen Landestheaters Marburg, 07.09.2013</u>:</p><p>&quot;Intelligent&quot;, so der Gießener Anzeiger, sei die Bearbeitung &quot;vor allem deshalb, weil Faltz in dem Stück, das die umfangreiche Erzählung auf 70 Minuten Handlung strafft, einen von Heinrich von Kleists Grundgedanken atmosphärisch dicht herausarbeitet. Gemeint ist der in den Werken immer wieder anzutreffende gesellschaftskritische Pessimismus, nachdem das Wollen des Individuums an der gesellschaftlichen Realität zerbrechen muss. [...]&quot; Es sei &quot;eben kein Historiendrama zur Zeit der Bauernkriege, sondern eine Art Psychodrama [...]. Hut ab, Herr Faltz, vor dieser hochintelligenten Umsetzung des Gesellschaftspessimismus Heinrich[...] von Kleists, die während der gesamten 70 Minuten allerdings zu keinem Zeitpunkt verkopft oder anstrengend daherkommt.&quot; (Gießener Anzeiger, 09.09.2013)</p><p>Die Bearbeitung von Michael Kohlhaas sei ein &quot;dichtes, sehr komprimiertes Kammerspiel, das fast kontinuierlich von den von Maibaum und Pyras komponierten und live gespielten bizarren, oft dissonanten und bedrohlich wirkenden Klanglandschaften begleitet wird. [...]&quot; Der Kritiker hebt die große Begeisterung angesichts dieses &quot;äußerst spannenden und sehr sehenswerten Theaterexperiments&quot; hervor. (Oberhessische Presse, 09.09.2013)</p><p>&quot;Theater der Leidenschaft als existenzielles Ringen um Gerechtigkeit. [...] Nicht nur die Reformationsgeschichte wird hier neu erschlossen sondern die überaus gegenwärtige Problemlage der Menschenrechte und des gefährdeten Rechtsfriedens weltweit.&quot; (Marburger Zeitung, 09.09.2013)</p><p></p>
Kritiken - Dateien
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Alphabetischer Titel Michael Kohlhaas
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PDF Leseprobe FaltzLeiffheidt_Kleist_MichaelKohlhaas_Leseprobe.pdf